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"Wieso gerate ich immer an toxische Menschen?"

Aktualisiert: 9. Mai 2023

„Ich komme gerade aus einer schlimmen Beziehung mit einem toxischen Menschen.“

Eine Aussage, die sich nicht nur in meiner Praxis, sondern auch im privaten Umfeld extrem häuft. Wir nutzen den Begriff „toxisch“ momentan geradezu inflationär. Versteh mich nicht falsch, es gibt sicher Beziehungen, die dir nicht gut tun und die du beenden solltest. Vor allem und gerade wenn körperliche oder seelische Misshandlungen im Spiel sind, das steht nicht zur Diskussion. Ich möchte lediglich sensibilisieren, zu mehr Wachsamkeit und Bewusstsein im Umgang mit diesem Wort. Zunächst mal ist es nicht der Mensch, der toxisch ist. Sondern im schlimmsten Fall seine Verhaltensweise. Wenn diese Verhaltensweisen dich einschränken, klein machen, verletzen…, ist es natürlich richtig und wichtig für dich Grenzen zu setzen. Doch bedenke, jeder Mensch folgt unbewussten Mustern, die sich durch verschiedene Erfahrungen und Beziehungen in seinem Leben in seinem System verankert haben. Und auch dieser Mensch verhält sich so, wie es für ihn in diesem Moment „richtig“ anfühlt. Dies ist kein „in Schutz nehmen“ von Menschen, die sich gewalttätig oder gesetzeswidrig verhalten, das ist hoffentlich klar. Und ganz sicher, ist es richtig und wichtig, sich nicht dem Verhalten eines Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung (z.B. narzisstisch) auszusetzen. Aber auch, wenn es die richtige Wahl ist, sich zu distanzieren, ist es hilfreich zu verstehen, welche Prozesse auf deiner Seite stattfinden. Warum du dir z.B. diesen Menschen "ausgesucht" hast. Es geht mir hier vielmehr darum, dass wir uns gerne selbst oft in eine Opferhaltung begeben, es uns leicht machen, wenn wir unseren Partner als toxisch bezeichnen, weil er etwas tut was unser Selbstbild oder Ego verletzt. Obwohl wir doch gerade in diesen Zeiten alle von Selbstverantwortung und Persönlichkeitsentwicklung sprechen. Aber genau dazu gehört es, bewusst hinzuschauen, welche inneren Prozesse auf beiden Seiten stattfinden und Verantwortung zu dafür übernehmen, statt den Schuldigen zu suchen und sich ohne es zu merken selbst zum Täter zu machen.


Achtung, Triggerwarung! Gerätst du immer wieder an Partner/innen mit den gleichen Verhaltensweisen, die dir nicht gut tun, liegt das nicht NUR an der anderen Person. Auch wenn es schmerzt das zu hören und anzunehmen. Die Verantwortung liegt auch bei dir: Klare Signale zu senden, was du willst, was deine Werte sind, Grenzen anhand deiner Werte zu setzen. Wir können nicht wie eine Zielscheibe durch die Welt rennen, unsere eigenen Wunden und Bedürfnisse nicht erkennen, geschweige denn bearbeiten und andere schuldig dafür machen, wenn sie diese Zielscheibe nutzen, um die Pfeile die sie selbst nicht mehr tragen können los zu werden. Es ist kein Zufall, wenn dir immer wieder die gleichen Verhaltensweisen vorgesetzt werden. Pfeil findet Zielscheibe. Beide Seiten, haben noch einen Job zu erledigen. Es gibt also toxische Verhaltensweisen, aus denen toxische Beziehungen entstehen, wenn sich diese nicht erfüllten Bedürfnissströme auf beiden Seiten den richtigen Spiegel aussuchen. Super intelligent eigentlich von deinem System, sich genau den Partner/die Partnerin auszusuchen, an dem/der du endlich verstehen und lernen kannst, wo deine Wunde liegt und wie du sie heilen kannst. Was wir jedoch tun ist, uns einzureden Selbstliebe zu praktizieren indem wir schnell das Weite suchen, den anderen als toxisch bezeichnen, damit wir uns fühlen, als hätten wir uns vorbildlich um uns selbst gekümmert. Endlich haben wir es kapiert. Grenzen setzen. Selbstliebe. Selbstfürsorge. Erstmal Pause und integrieren. Bei Freunden/Freundinnen auskotzen, wie toxisch dieser Mensch war und wie viel wir daraus lernen durften. „Fühlt sich spitze an. Endlich. Hab mich selbst gefunden.“ Und dann kommt irgendwann die nächste Beziehung. Das ganze Spiel von vorn. Glaub mir, ich weiss wie tief man hier fallen kann. Und wie naheliegend es ist, sich Erleichterung zu verschaffen, indem man den anderen zum Täter macht. Wieso passiert das immer mir? Ich habs doch kapiert. Haben wir das wirklich? Oder haben wir unsere alte Geschichte nur in einen neuen, moderneren Buchumschlag gehüllt? Was wäre, wenn das Learning viel größer ist, als nur auf dich selbst Acht zu geben? Wenn du schon weiter bist als das? Wenn es für dich nicht einfach nur darum geht, Grenzen zu setzen oder den perfekten Gegenpart zu finden, der dich den Rest deines Lebens mit seinem Verhalten in deiner kuscheligen Komfortzone sitzen lässt? Was wäre, wenn es keine Meinung anderer gäbe und du dich für dein Ego nicht rechtfertigen müsstest? Wenn du nichts zu verlieren hättest? Hättest du nicht Lust, einfach mal zu schauen, was passiert, wenn du tiefer gehst? Zu lernen dir selbst zu 100% zu vertrauen, festzustellen dass du allein ALLE deine Bedürfnisse erfüllen kannst? Und zu erleben, was dann mit deinen Beziehungen geschieht, die du eben noch als toxisch bezeichnet hättest? Welche Wunder passieren, wenn du wieder selbst Verantwortung und Macht für dich und deine Themen übernimmst, statt dich als Opfer zu positionieren?


Oh Ja, es kostet Mut und es gibt Menschen, die es nicht verstehen werden. "Der Typ hat dich geghostet und du datest ihn wieder? Selbst schuld." Viele Menschen werden dich ohne es zu merken in den alten Film zurück ziehen. Und es ist auch absolut okay, zu gehen, wenn du spürst, dass es nicht gut für dich ist. Aber

gehe in Klarheit und in Würde. Schau tiefer. Es sind nicht oft gar nicht die Menschen/Dinge an denen wir leiden. Es ist unsere Bewertung dessen.


Es ist völlig in Ordnung, sich in diesem Prozess Unterstützung zu holen. Ein objektiver, wertfreier Blick, kann helfen jenseits aller Gefühle, eine gesunde und gute Entscheidung für sich treffen zu können. Wichtig: Und nochmal möchte ich ganz eindeutig darauf hinweisen, dass ich nicht von Verhaltensweisen spreche, mit denen ein Mensch körperlich oder seelisch in irgendeiner Form misshandelt wird. Auch das Verhalten von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen (z.B. narzisstische) ist hier ausgenommen.

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